Öffentliche Jahresberichte

Die Schweizerische Schule publiziert seit 2015 einen Jahresbericht seiner wissenschaftlichen Aktivitäten für ein breites Publikum. Dieser Bericht ist am Ende des Jahres in zwei Versionen, Französisch-Deutsch und Griechisch-Englisch, erhältlich.

 

Jahresbericht 2018

Vom 25. 6. bis 3.8. fand die diesjährige Grabungskampagne in Amarynthos statt. Dank der Zuwendung des eidgenössischen Departementes für Wirtschaft, Bildung und Forschung konnten weitere, an das Grabungsareal angrenzende Grundstücke erworben werden, die eine Ausdehnung der Grabungen insbesondere nach Westen erlaubten. Dabei kamen nicht nur weitere Bauten des Heiligtums zum Vorschein, darunter ein Fundament, das vielleicht zu einem Altar gehört haben könnte, sondern auch mehrere Objekte, welche die Zuweisung des Heiligtums an Artemis auf schönste Art bestätigen. Die Rede ist vor allem von dem Bronzeköcher, der sicher zu einer Statuette der Artemis gehört hatte.

Eine zweite Grabung fand vom 20.8. bis 14.9. in der südlichen Palästra von Eretria unter der Leitung von Guy Ackermann und Geoffroy Luisoni statt. Dabei ging es vor allem um das Auffinden von Keramikscherben, welche die Datierung der einzelnen Bauphasen eingrenzen können. Dass dabei gleich mehrere kleine Depots, so genannte pyrai zum Vorschein kamen, war besonders erfreulich, zumal Sarah Paudex aktuell das Thema der pyrai von Eretria in ihrer Masterarbeit an der Universität Lausanne behandelt.

Wie in den vergangenen Jahren unterstützte die ESAG auch die von Julien Beck, Universität Genf, in Zusammenarbeit mit Angeliki Simosi, ehem. Vorsteherin der Ephorie für Unterwasser-Archäologie, und Despina Koutsoumba initiierte Unterwasser-Grabung in der Bucht von Lambayanna / Kiladha.

Jahresbericht 2017

Die Ausgrabungen der Schweizerischen Archäologischen Schule in Griechenland (ESAG) in Amarynthos haben in diesem Jahr hohe Wellen geschlagen. Wie die internationale Presse in zahlreichen Beiträgen vermeldete, konnte das Team in Amarynthos nach 10-jähriger Grabungstätigkeit die letzten Beweise erbringen, dass der in den vergangenen Jahren freigelegte Hallenbau (Stoa) tatsächlich Teil des lange gesuchten Heiligtums der Artemis Amarysia ist. Als erster Beweis kamen in der diesjährigen Grabungskampagne mehrere Ziegel zum Vorschein, auf welchen der Name ΑΡΤΕΜΙΔΟΣ (der Artemis) eingestempelt war. Eine Serie von Inschriften, welche in einer bisher noch rätselhaften Brunnenanlage gefunden wurden, nennen darüber hinaus Artemis, Apollon und Leto als Adressaten von Weihungen. Eine Serie von freigelegten Fundamenten bestätigt, dass solche Weihgeschenke in Form von Statuen oder Stelen vor der Front der Hallenbauten aufgestellt waren. Die letzten Zweifel, dass es sich bei den in Amarynthos gefundenen Ruinen um das Heiligtum der Artemis handelt, konnten demnach ausgeräumt werden.

Im Gymnasion von Eretria fand im Sommer die letzte der drei vorgesehenen Grabungskampagnen statt. Dabei ging es in erster Linie darum, die Räume im Süden des östliches Hofes freizulegen. In diesen Räumen wurden die Arme einer überlebensgrossen Marmorstatue gefunden, die wahrscheinlich zu einer Feldherrn-Statue gehörten.

Ebenfalls die letzte Kampagne wurde in dem Prospektions-Projekt in der Ebene von Mazi, dem Grenzgebiet zwischen Attika und Böotien, durchgeführt. Dieses Projekt, das von der ESAG administrativ unterstützt wird, steht unter der Leitung von Sylvian Fachard (American School of Classical Studies at Athens), in Zusammenarbeit mit der Ephorie der Altertümer von West-Attika, Piräus und den Inseln.

Die Unterwassergrabungen in der Bucht von Lambayanna (Kiladha, Peloponnes) fanden auch in diesem Jahr eine erfolgreiche Fortsetzung. In der von Julien Beck (Universität Genf) und Despina Koutsoumba (Ephorie für Unterwasser­Archäologie) geleiteten Kampagne wurden die Mauern verschiedener Gebäude der frühbronzezeitlichen Siedlung freigelegt.

Jahresbericht 2016

Unter der Schirmherrschaft der Schweizerischen Archäologischen Schule in Griechenland (ESAG) wurden 2016 insgesamt vier grosse Forschungsprojekte in Griechenland durchgeführt. Die Grabung in Eretria konzentrierte sich wie im vergangenen Jahr auf das Gymnasion. Ziel der Grabungen war einerseits die Räume des neu entdeckten Ostteils des Gymnasions zu untersuchen, andererseits gezielte Sondierungen zur Frage nach der Datierung der einzelnen Bauphasen anzulegen. Zwei äusserst interessante Funde wurden in dem in römischer Zeit aufgeschütteten Brunnen gemacht : Neben zahlreichen menschlichen Knochen, die aus bisher unbekanntem Grund in dem Brunnenschacht „bestattet“ wurden, kamen die Reste einer Bronzestatue (zwei Arme und ein Gewandstück) zum Vorschein!

Die zweite Grabung fand in Zusammenarbeit mit der Ephorie der Altertümer Euböas am Fusse des Hügels Paleoekklesies in Amarynthos statt. Auch in dieser Grabung wurden aussergewöhnliche Funde und Befunde gemacht. Zum einen kam ein weiteres Gebäude zum Vorschein, das ganz aus isodom verlegtem Steinmauerwerk errichtet war, zum anderen zeichnete sich ab, dass die in den vergangen Jahren freigelegte Stoa an deren Nordende nach Westen umbiegt.

Zwei weitere Projekte wurden von der ESAG administrativ unterstützt. Die unter der Leitung von Sylvian Fachard (Universität Genf) in Zusammenarbeit mit der Ephorie der Altertümer von West Attika, Piräus und den Inseln durchgeführte Prospektion in der Ebene von Mazi, dem Grenzgebiet zwischen Attika und Böotien, ergab eine Vielzahl von neu entdeckten Siedlungsplätzen und archäologischen Resten. Die Unterwassergrabung in der Bucht von Kiladha (Argolis), ein Projekt von Julien Beck (Universität Genf) in Zusammenarbeit mit der Ephorie für Unterwasser-Archäologie, konzentrierten sich vor allem auf die in der Bucht von Lambayanna entdeckte, mit massiven Mauern befestigte Siedlung aus der frühen Bronzezeit.

Jahresbericht 2015

Zwei Grabungen standen im Jahr 2015 auf dem Programm der ESAG. Die erste fand im Gymnasium von Eretria am Fuss der Akropolis statt. Die Restaurierungsarbeiten des Monuments (ESPA) haben die Fundamente eines zweiten Gebäudes freigelegt, das sich östlich des ersten befindet. Ein dreijähriges Grabungsprogramm wurde 2015 unter der Verantwortung von Karl Reber wurde lanciert, um den Plan und die Chronologie dieses Doppel-Gymnasiums – dem bis heute einzigen im antiken Griechenland – zu verfeinern.

Die zweite Grabung wurde in Amarynthos im Rahmen der Erforschung des Heiligtums der Artemis Amarysia durchgeführt. Dank der Grabungen auf der Parzelle Baraboutis konnte die Zone östlich des grossen Portikus untersucht werden, und somit der Plan und die Chronologie des 2012-2013 gefundenen Gebäudes detailliert werden. Dieses Forschungsprojekt ist eine Zusammenarbeit der ESAG und der Ephorie der Altertümer von Euböa. Es steht unter der Verantwortung von Karl Reber und Amalia Karapschalidou.

Die ESAG hat in diesem Jahr zwei weitere Forschungsprojekte ausserhalb von Euböa administrativ unterstützt. Sylvian Fachard (Universität Genf) hat die archäologischen Prospektionen in der Mazi-Ebene weitergeführt, um die Regionen an der Grenze zwischen Attika und Böotien zu untersuchen. Julien Beck (Universität Genf) hat Unterwassergrabungen und -prospektionen in der Bucht von Kiladha (Argolis) organisiert und dabei eine befestigte Stadt der frühen Bronzezeit (3e Jahrtausend v. Chr.) gefunden, die heute unter Wasser liegt.