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Jahresberichte

Die Schweizerische Schule publiziert seit 2015 einen Jahresbericht seiner wissenschaftlichen Aktivitäten für ein breites Publikum. Dieser Bericht ist am Ende des Jahres in zwei Versionen, Französisch-Deutsch und Griechisch-Englisch, erhältlich.

 

Jahresbericht 2020

Das Jahr 2020 war in vielerlei Hinsicht besonders: Auf der einen Seite schränkte die Covid-19 Pandemie unsere Aktivitäten massiv ein, auf der anderen gelang es der stark reduzierten Ausgrabungsequipe, im Heiligtum der Artemis Amarysia von Amarynthos einige wichtige Entdeckungen zu machen. Die Aktivitäten, welche für ein breiteres Publikum vorgesehen waren, mussten leider allesamt abgesagt werden, beginnend mit der Jahreskonferenz in Athen, die am 12. März stattgefunden hätte, über die 1. Augustfeier im Garten des Grabungshauses von Eretria, die öffentliche Präsentation der Grabungsergebnisse auf dem Dorfplatz von Amarynthos bis zur jährlichen, am 16. November geplanten Jahresversammlung des Beirats und der Mitarbeiter der ESAG. Ebenso mussten wir auf die Durchführung des «Tages der offenen Tür» im Grabungsgelände von Amarynthos sowie auf private und öffentliche Führungen durch das Grabungsgelände verzichten.

Nachdem sich die sanitäre Situation im Mai verbessert hatte und der Lockdown aufgehoben worden war, entschlossen wir uns, eine Grabungskampagne in Amarynthos durchzuführen, allerdings mit stark reduziertem Grabungsteam. Das Grabungspraktikum für Studierende der Schweizer Universitäten musste, um unnötige Reisen zu vermeiden, leider ausfallen. An der Grabung nahmen vor allem das sich bereits vor Ort befindende Personal sowie Studierende griechischer Universitäten teil, deren Anreise weniger problematisch war. Die Equipe musste sich während der gesamten, vom 20. Juli bis 28. August dauernden Grabungskampagne an strenge Sicherheitsmassnahmen halten, sowohl auf dem Grabungsfeld und im Museum von Eretria wie auch in der Freizeit. Dank dieser Massnahmen und dank der Bereitschaft der Grabungsequipe, die strengen Regeln auch einzuhalten, konnten Infizierungen mit dem Coronavirus vermieden werden.

Die von Tobias Krapf und Thierry Theurillat geleitete Grabungskampagne erbrachte trotz den genannten Einschränkungen einige überraschende Resultate. Zum einen wurden zwischen der Ost- und der Nordstoa drei kleinere, oikosförmige Gebäude freigelegt, zum andern gelang es, den lange gesuchten Tempel der Artemis mit Sicherheit zu lokalisieren. Im westlichen Teil des bereits in früheren Kampagnen teilweise freigelegten Gebäudes 6 stiessen wir auf ein bedeutendes Depot von Votivgaben, das sich aus Keramikgefässen, Metallobjekten, skarabäenförmigen Siegeln und anderen Kleinfunden zusammensetzte. Die Aufarbeitung dieses in der Übergangszeit vom 6. zum 5. Jh. angelegten Depots wird noch einige Zeit dauern, doch können wir in dem vorliegenden Bericht bereits einige Angaben zur Beschaffenheit des Depots machen.

Auch das von der ESAG im administrativen Bereich unterstützte Projekt der Unterwasserforschung in der Bucht von Kiladha fand in einer reduzierten Form statt, wie dem untenstehenden Bericht von Julien Beck und Andreas Sotiriou zu entnehmen ist.

Meine langjährigen Forschungen zu den enigmatischen «Drachenhäusern» von Süd-Euböa führten dazu, dass wir in diesem Jahr ein kleineres Projekt lancieren konnten, in welchem wir der Frage nach der Datierung und Funktion dieser Häuser nachgehen möchten. Die geplante Grabung im Drachenhaus von Ilkizes musste leider wegen Covid-19 ausfallen, das reduzierte Team mit Chloé Chezeaux, Jérôme André und Tobias Krapf konnte jedoch eine erste Reinigung des Gebäudes sowie die topographische Bauaufnahme durchführen. Die Grabung selber wurde auf das Jahr 2021 verschoben.

Die Publikationsreihe Eretria, Ausgrabungen und Forschungen ist seit diesem Jahr um zwei Bände reicher: Band XXIV, Guy Ackermann, «La céramique d’époque hellénistique» und Band XXV, Thierry Theurillat – Guy Ackermann – Marc Duret – Simone Zurbriggen, «Les thermes du centre».

ERETRIA XXIV ERETRIA XXV

Jahresbericht 2019

Die Schweizerische Archäologische Schule in Griechenland (ESAG) kann einmal mehr auf ein sehr erfolgreiches Berichtsjahr zurückschauen. Im Zentrum der Aktivitäten standen die Grabungen im Heiligtum der Artemis Amarysia in Amarynthos. Dank der einmaligen Zuwendung des eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung konnte das Grabungsgelände durch den Ankauf eines weiteren Terrains erweitert werden. Dieses Terrain liegt am Westhang des Hügels Paleoekklisies und verbindet die Grabungen im Heiligtum mit der auf dem Hügel lokalisierten prähistorischen Siedlung. Als besonderer Fund der diesjährigen Grabungskampagne ist eine fragmentierte Inschrift zu erwähnen, in welcher nicht nur der Name des Artemis-Heiligtums sondern zusätzlich auch der Ortsname Amarynthos genannt wird. Damit dürften auch die letzten Zweifel an der Identifizierung des Heiligtums ausgeräumt sein.

Die Grabungen im Gymnasion von Eretria wurden durch eine kurze, letzte Kampagne abgeschlossen, in der durch geophysikalische Analysen und Sondierungen der Nachweis von Laufpisten im Süden und Westen des Gebäudes erbracht werden konnte.

Neben den Grabungen in Amarynthos und Eretria unterstützte die ESAG auch weiterhin die in Zusammenarbeit mit der Ephorie für Unterwasserarchäologie durchgeführten Forschungen in der Bucht von Kiladha (Peloponnes), die von Julien Beck (Universität Genf) und Andreas Sotiriou geleitet wurde.

Die Publikationsreihe Eretria, Ausgrabungen und Forschungen ist seit diesem Jahr um einen Band reicher: der XXIII. Band aus der Feder von Kristine Gex befasst sich mit den Resultaten der Notgrabung im Gelände Bouratza im Zentrum der Stadt Eretria.

ERETRIA XXIII

Jahresbericht 2018

Vom 25. 6. bis 3.8. fand die diesjährige Grabungskampagne in Amarynthos statt. Dieses Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen der Schweizerischen Archäologischen Schule in Griechenland und der Ephorie der Altertümer von Euböa. Dank der Zuwendung des eidgenössischen Departementes für Wirtschaft, Bildung und Forschung konnten weitere, an das Grabungsareal angrenzende Grundstücke erworben werden, die eine Ausdehnung der Grabungen insbesondere nach Westen erlaubten. Dabei kamen nicht nur weitere Bauten des Heiligtums zum Vorschein, darunter ein Fundament, das vielleicht zu einem Altar gehört haben könnte, sondern auch mehrere Objekte, welche die Zuweisung des Heiligtums an Artemis auf schönste Art bestätigen. Die Rede ist vor allem von dem Bronzeköcher, der sicher zu einer Statuette der Artemis gehört hatte.

Eine zweite Grabung fand vom 20.8. bis 14.9. in der südlichen Palästra von Eretria unter der Leitung von Guy Ackermann und Geoffroy Luisoni statt. Dabei ging es vor allem um das Auffinden von Keramikscherben, welche die Datierung der einzelnen Bauphasen eingrenzen können. Dass dabei gleich mehrere kleine Depots, so genannte pyrai zum Vorschein kamen, war besonders erfreulich, zumal Sarah Paudex aktuell das Thema der pyrai von Eretria in ihrer Masterarbeit an der Universität Lausanne behandelt.

Wie in den vergangenen Jahren unterstützte die ESAG auch die von Julien Beck, Universität Genf, in Zusammenarbeit mit Angeliki Simosi, ehem. Vorsteherin der Ephorie für Unterwasser-Archäologie, und Despina Koutsoumba initiierte Unterwasser-Grabung in der Bucht von Lambayanna / Kiladha.

Jahresbericht 2017

Die Ausgrabungen der Schweizerischen Archäologischen Schule in Griechenland (ESAG) in Amarynthos haben in diesem Jahr hohe Wellen geschlagen. Wie die internationale Presse in zahlreichen Beiträgen vermeldete, konnte das Team in Amarynthos nach 10-jähriger Grabungstätigkeit die letzten Beweise erbringen, dass der in den vergangenen Jahren freigelegte Hallenbau (Stoa) tatsächlich Teil des lange gesuchten Heiligtums der Artemis Amarysia ist. Als erster Beweis kamen in der diesjährigen Grabungskampagne mehrere Ziegel zum Vorschein, auf welchen der Name ΑΡΤΕΜΙΔΟΣ (der Artemis) eingestempelt war. Eine Serie von Inschriften, welche in einer bisher noch rätselhaften Brunnenanlage gefunden wurden, nennen darüber hinaus Artemis, Apollon und Leto als Adressaten von Weihungen. Eine Serie von freigelegten Fundamenten bestätigt, dass solche Weihgeschenke in Form von Statuen oder Stelen vor der Front der Hallenbauten aufgestellt waren. Die letzten Zweifel, dass es sich bei den in Amarynthos gefundenen Ruinen um das Heiligtum der Artemis handelt, konnten demnach ausgeräumt werden.

Im Gymnasion von Eretria fand im Sommer die letzte der drei vorgesehenen Grabungskampagnen statt. Dabei ging es in erster Linie darum, die Räume im Süden des östliches Hofes freizulegen. In diesen Räumen wurden die Arme einer überlebensgrossen Marmorstatue gefunden, die wahrscheinlich zu einer Feldherrn-Statue gehörten.

Ebenfalls die letzte Kampagne wurde in dem Prospektions-Projekt in der Ebene von Mazi, dem Grenzgebiet zwischen Attika und Böotien, durchgeführt. Dieses Projekt, das von der ESAG administrativ unterstützt wird, steht unter der Leitung von Sylvian Fachard (American School of Classical Studies at Athens), in Zusammenarbeit mit der Ephorie der Altertümer von West-Attika, Piräus und den Inseln.

Die Unterwassergrabungen in der Bucht von Lambayanna (Kiladha, Peloponnes) fanden auch in diesem Jahr eine erfolgreiche Fortsetzung. In der von Julien Beck (Universität Genf) und Despina Koutsoumba (Ephorie für Unterwasser­Archäologie) geleiteten Kampagne wurden die Mauern verschiedener Gebäude der frühbronzezeitlichen Siedlung freigelegt.

Jahresbericht 2016

Unter der Schirmherrschaft der Schweizerischen Archäologischen Schule in Griechenland (ESAG) wurden 2016 insgesamt vier grosse Forschungsprojekte in Griechenland durchgeführt. Die Grabung in Eretria konzentrierte sich wie im vergangenen Jahr auf das Gymnasion. Ziel der Grabungen war einerseits die Räume des neu entdeckten Ostteils des Gymnasions zu untersuchen, andererseits gezielte Sondierungen zur Frage nach der Datierung der einzelnen Bauphasen anzulegen. Zwei äusserst interessante Funde wurden in dem in römischer Zeit aufgeschütteten Brunnen gemacht : Neben zahlreichen menschlichen Knochen, die aus bisher unbekanntem Grund in dem Brunnenschacht „bestattet“ wurden, kamen die Reste einer Bronzestatue (zwei Arme und ein Gewandstück) zum Vorschein!

Die zweite Grabung fand in Zusammenarbeit mit der Ephorie der Altertümer Euböas am Fusse des Hügels Paleoekklesies in Amarynthos statt. Auch in dieser Grabung wurden aussergewöhnliche Funde und Befunde gemacht. Zum einen kam ein weiteres Gebäude zum Vorschein, das ganz aus isodom verlegtem Steinmauerwerk errichtet war, zum anderen zeichnete sich ab, dass die in den vergangen Jahren freigelegte Stoa an deren Nordende nach Westen umbiegt.

Zwei weitere Projekte wurden von der ESAG administrativ unterstützt. Die unter der Leitung von Sylvian Fachard (Universität Genf) in Zusammenarbeit mit der Ephorie der Altertümer von West Attika, Piräus und den Inseln durchgeführte Prospektion in der Ebene von Mazi, dem Grenzgebiet zwischen Attika und Böotien, ergab eine Vielzahl von neu entdeckten Siedlungsplätzen und archäologischen Resten. Die Unterwassergrabung in der Bucht von Kiladha (Argolis), ein Projekt von Julien Beck (Universität Genf) in Zusammenarbeit mit der Ephorie für Unterwasser-Archäologie, konzentrierten sich vor allem auf die in der Bucht von Lambayanna entdeckte, mit massiven Mauern befestigte Siedlung aus der frühen Bronzezeit.