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ERETRIA XIX

Caroline Huguenot, Das Erotengrab und das Grab von Amarynthos. Grabarchitektur und die makedonische Präsenz in Zentralgriechenland (auf Französisch)

Das Erotengrab und das Grab von Amarynthos, beide auf eretrischem Territorium, wurden zwar vor über einem Jahrhundert entdeckt, aber nie vollständig untersucht. Die luxuriösen Möbel dieser Monumente haben zwar ein gewisses Interesse geweckt, aber die Gräber selber, vom makedonischen Typus, wurden weitgehend vernachlässigt. Die Studie ihrer Architektur, der internen Planung, der Inschriften und Beigaben wirft neue Fragen über das Bestattungsritual und die Identität der Verstorbenen auf. Sie führt ebenfalls zu einer Überarbeitung der Chronologie: Das Erotengrab geht auf das zweite Viertel des 3. Jahrhunderts v. Chr. zurück, das Grab von Amarynthos auf die zweite Hälfte desselben Jahrhundert. Diese Daten stimmen mit den historischen Quellen überein, laut denen sich eine makedonische Garnison mindestens die Hälfte des dritten Jahrhunderts in Eretria aufhielt. Die Verstorbenen wurden in Urnen begraben, die in die Throne eingelassen wurden. Dass sie von königlicher oder prinzlicher Geburt waren, kann nicht ausgeschlossen werden, wie die Onomastikstudie beweist: Kratesipolis, die zuerst verstarb und im zentralen Thron begraben wurde, könnte eine Prinzessin aus Nordgriechenland oder Epirus gewesen sein. Die prunkvollen Gräber von Eretria könnten auch für hochrangige  Würdenträger gebaut worden sein, mutmasslich für Mitglieder der makedonischen Garnison. Die Präsenz von monumentalen Scheiterhaufen – kurzlebige, doch beeindruckende Konstruktionen – zeugt von einer sozialen Klasse mit einem Sinn für Dekorum. Der  pompöse Charakter der Monumente wird durch die Position des Erotengrabes veranschaulicht, dessen tumulus auf einem natürlichen Hügel liegt und mit einem monumentalen gemeisselten Aufbau gekrönt war, der von weither gesehen werden konnte.

Das Werk behandelt ausserdem die makedonische Präsenz in Eretria. Es vereint literarische, epigrafische und archäologische Daten, die allesamt unser Verständnis der makedonischen Vergangenheit von Eretria bereichern und die Präsenz von Einzelpersonen aus Nordgriechenland hervorheben. Das Inventar der makedonischen Gräber in Griechenland wird im historischen Kontext diskutiert und unterstreicht den Zusammenhang zwischen der makedonischen (häufig militärischen) Präsenz und unterirdischen Kammergräbern mit Tonnengewölbe. Es ist bemerkenswert, dass fünf dieser Gräber auf Euböa bekannt sind. Makedonische Gräber waren Bestandteil der Gruppenidentität und wurden als Identifizierungsmerkmal jener verwendet, die eine Verbindung (legitim oder nicht) zur makedonischen Elite für sich beanspruchten.

In vielerlei Hinsicht können die makedonischen Gräber als aussergewöhnlich betrachtet werden. Diese Monografie wird hoffentlich dazu beitragen, ihnen wieder das Interesse zu verschaffen, dass sie aus archäologischer und kunstgeschichtlicher Sicht verdienen, mit der Stadt Eretria und ihrer makedonischen Vergangenheit im Hintergrund.

2008, 2 Bände auf Französisch mit Zusammenfassungen auf Englisch, Deutsch und Griechisch, Paperback, 22 x 30 cm, 90 s/w und Farbtafeln. Infolio Verlag, Gollion.
ISBN 2-88474-407-2

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