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Dienstag 21 Juni 2022

Rückkehr nach Antikythera 2022

Das Schiffswrack von Antikythera, das aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts stammt, ist das reichste antike Wrack, das jemals in Griechenland entdeckt wurde. Es wurde 1900 zufällig in der Nähe der Küste der Insel Antikythera lokalisiert, in den 1970er Jahren von Kommandant Cousteau und in den Jahren 2012-2020 von griechischen Archäologen ausgegraben. Das Projekt, das 2012 von der Ephorie für Unterwasserarchäologie initiiert wurde, wird seit 2021 von der Universität Genf unter der Leitung der Schweizerischen archäologischen Schule in Griechenland koordiniert. Die zweite Kampagne des Fünfjahresprogramms wurde eben abgeschlossen. Das Hauptziel des Projekts ist es, ein klareres Verständnis des Schiffs, seiner Route, seiner Ladung sowie des aktuellen Zustands des Wracks zu erlangen.

Die Kampagne 2022 fand vom 23. Mai bis zum 15. Juni statt. Die Untersuchungen, die von der Schweizerischen Archäologischen Schule in Griechenland unter der Leitung von Dr. Angeliki G. Simosi, Leiterin der Ephorie der Antiken von Euböa, und Lorenz Baumer, Professor für klassische Archäologie an der Universität Genf, durchgeführt wurden, konzentrierten sich auf die Entfernung mehrerer großer Felsblöcke, die bei früheren Unterwassererdbeben das Gebiet des Schiffswracks teilweise bedeckt hatten. Um die bis zu 8,5 Tonnen schweren Felsbrocken zu heben und zu bewegen, wurde vom Team des Expeditionspartners Hublot Xplorations eigens ein massgeschneidertes Hebesystem entwickelt und konstruiert, das aus einer soliden Takelage, Unterwasser-Hebekissen und einer Druckluftversorgung bestand. Die Entfernung der Felsblöcke ermöglichte es dem internationalen Forschungsteam und den ebenfalls mitwirkenden Berufstauchern, in einer Tiefe von über 60 Metern einen noch unerforschten Teil des Gebiets zu untersuchen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren an derselben Stelle Hunderte Kunstwerke, darunter zahlreiche Bronze- und Marmorstatuen, die heute im Archäologischen Nationalmuseum in Athen ausgestellt sind, sowie der mysteriöse Mechanismus von Antikythera von Schwammfischern entdeckt worden. Die Untersuchung neuer, noch unberührter Bereiche des Wracks liess daher für die Kampagne 2022 wichtige Entdeckungen erwarten. Dies war auch der Fall.

Offizielle Website:

http://antikythera.org.gr

Antikythera Forschungsprogramm in ESAG website:

ESAG - Antikythera

Spektakuläre Entdeckungen

Hier einige Beispiele für die neuesten Entdeckungen:

  • Ein Sockel einer Marmorstatue mit den unteren Teilen der Beine, alles von einer dicken Schicht aus Meeresablagerungen bedeckt.
  • Ein Marmorkopf einer überlebensgrossen, bärtigen Figur, bei der es sich um Herakles im sogenannten Farnese-Typus handeln könnte. Er könnte zu der kopflosen Statue des Herakles von Antikythera gehören (Inv.-Nr. 5742 des Archäologischen Nationalmuseums), die 1900 von den Schwammtauchern geborgen wurde.
  • Zwei menschliche Zähne, entdeckt in einem festen Agglomerat aus Meeresablagerungen und Fragmenten von Kupfer, Holz und anderen Materialien, die typisch für eine Schiffskatastrophe sind. Die genetische und isotopische Analyse der Zähne wird Informationen über das Genom und andere relevante Merkmale wie etwa die Herkunft der Individuen, denen sie gehörten, erbringen.
  • Zusätzlich wurden zahlreiche Gegenstände der Schiffsausrüstung geborgen, so etwa Bronze- und Eisennägel, der Bleikragen eines grossen Holzankers sowie eine Vielzahl von amorphen Eisenkonkretionen, die mit Meeresablagerungen bedeckt waren. Deren Funktion kann erst durch Laboranalysen ermittelt werden.

Die genaue Position und der archäologische Kontext jedes einzelnen Fundes wurden bei den Ausgrabungen exakt dokumentiert. Die Informationen werden in das 3D-Modell der Fundstelle einfliessen. Aus vorher festgelegten Bereichen des Meeresbodens wurden Sedimentproben entnommen, deren Mikroanalyse zu einem besseren Verständnis der Dimensionen und der genauen Lage des Wracks führen wird. Zusammen mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Artefakte werden die mikroarchäologischen Studien zur genauen Rekonstruktion des Schiffs sowie der Umstände, unter denen es gesunken ist, beitragen.

Ein internationales Team

Die Feldforschung wurde von der Ephorie für Unterwasserarchäologie unter der Schirmherrschaft der Präsidentin der Griechischen Republik, Katerina Sakellaropoulou, beaufsichtigt und von Alexandros Sotiriou, assoziierter Forscher an der Universität Genf, geleitet. Zum wissenschaftlichen Team gehörten ausserdem Carlo Beltrame, Professor an der Ca’Foscari-Universität in Venedig, Dr. Elisa Costa, Forscherin an derselben Universität, Orestes Manousos (MA) und Dr. Isaac Ogloblin sowie die Spezialtaucher Haralambos Mitrou, Dimitris Romios und Nikolas Giannoulakis, der auch für die Unterwasserfotografie für die 3D-Modellierung zuständig war. Vier Mitglieder der Unterwassereinheit der griechischen Küstenwache, Aris Machairidis, Dimitris Hatziaslan, Dimitris Kiosis und George Lytrivis, waren ebenfalls täglich an der Feldarbeit beteiligt. Die technische Unterstützung wurde von den Mitgliedern des Hublot Xplorations-Teams Mathias Buttet, Michel Blumenthal, Alois Aebischer und Diego Carven geleistet, während das Labormaterial für die Analysen vor Ort von der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Genf (Labor für Kristallographie und Abteilung für Erdwissenschaften) zur Verfügung gestellt wurde. Die Taucherarchitektin der Ephorie für Unterwasserarchäologie, Aikaterini Tagonidou, überwachte im Auftrag des griechischen Ministeriums für Kultur und Sport alle Arbeiten.

Die Partner
Wie in den vergangenen Jahren profitierte das Projekt vom Versorgungsschiff „Typhoon“, das von der Laskaridis Charitable Foundation zur Verfügung gestellt wurde. Die Hauptsponsoren des Forschungsprogramms sind die Aikaterini Laskaridis Stiftung und Hublot. Die Forschungsarbeiten werden dazu von der Nereus-Forschungsstiftung mitfinanziert, die in Genf mit dem Hauptziel gegründet wurde, das Forschungsprogramm zum Wrack von Antikythera zu fördern.

Kontakte
• Lorenz Baumer
Professor für Klassische Archäologie
Universität Genf
+41 22 379 71 23
Lorenz.Baumer@unige.ch

 

• Sylvie Fournier
Leiterin Kommunikation
Schweizer Schule für Archäologie in Griechenland
+41 78 890 04 20
communication@esag.swiss

 

Pressemitteilung

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